Filmland Tirol - Ein historischer Überblick
Nur Wenigen ist bekannt, dass Tirol auf eine über 100jährige Geschichte als Filmland zurückblicken kann. Schon um 1900, kurz nachdem die Bilder „laufen lernten“, wurden erste Dokumentarfilme gedreht.
1909 wagt man mit „Andreas Hofer“, der Verfilmung des Tiroler Freiheitskampfes, den ersten Spielfilm. Und bereits 1925 entdeckt kein geringerer als Alfred Hitchcock Obergurgl in Tirol als den idealen Drehort für seinen zweiten Film „The Mountain Eagle“.
Im Laufe der Jahrzehnte sollten ihm viele prominente Filmschaffende folgen.
Regisseure wie Luciano Visconti, Ernst Marischka und Jean-Jacques Annaud oder Schauspieler wie Robert Redford, Brad Pitt, Romy Schneider und Claudia Cardinale, um nur einige Namen zu nennen. Sie alle waren von der Schönheit der Drehorte als auch von der aufgeschlossenen und gastfreundlichen Haltung der Tiroler begeistert.
Und so verwundert es nicht, dass die Filmgeschichte Tirols bis heute beeindruckende Beispiele großen internationalen Filmschaffens beinhaltet.
Auch die Epoche des klassichen Bergfilms nahm in Tirol ihren Anfang. Ihr Begründer ist Dr. Arnold Fanck aus Freiburg im Breisgau und 1899 geboren. Er ist skibegeistert und von der frühen Filmerei fasziniert. Fanck dreht nicht nur den ersten Film mit dem Thema Skifahren, nämlich "Das Wunder des Schneeschuhs" (1919/20), es ist auch sein erster Film überhaupt. Aus dem genannten Film werden 1925 über 1400 Bilder als Serienaufnahmen für Fancks gleichnamiges Skilehrbuch verwendet. 1926 folgt die Produktion des Films "Der heilige Berg", 1927 „Der Große Sprung“.
Bis 1940 dreht Arnold Fanck insgesamt 13 große Bergfilme. Sein herausragendster Film ist dabei „Der weiße Rausch“ von 1931 mit den Skistars Hannes Schneider und Rudi Matt.
Die rasenden und tollkühnen Skifahrten, die gezeigten Schwünge und Sprünge der besten Skifahrer der damaligen Zeit inmitten der herrlichen Naturkulisse, sowie die faszinierenden Gegenlichtaufnahmen begeistern noch heute das Publikum. Und so verwundert es nicht, dass dieser Film bei den heutigen Skifahrern und Snowboardern bereits Kultstatus besitzt. Für den Erfolg der Fanck´schen Filme sind jedoch seine Kameramänner wesentlich mit verantwortlich. Diese Kameramänner, die sogenannte „Freiburger Schule“, experimentieren mit immer wieder neuen Kameras, Objektiven und verschiedensten Blickwinkeln und sie finden zahlreiche neue Herausforderungen um die Kamera vom Stativ zu lösen und sie „beweglich“ zu machen.
Die „Freiburger Schule“ - dazu gehören unter anderem die Kameramänner Sepp Allgeier, Hans Ertl, Richard Angst, Albert Benitz, Hannes Schneeberger und Walter Riml - setzt Bergfilmklassiker wie „Der große Sprung“ (1927), „Die weiße Hölle vom Piz Palü“ (1929), und „Der weiße Rausch“ (1931) in Szene. Ohne diese Filmpioniere müsste manch heutiger Regisseur und Kameramann so manche Filmszenen bzw. Filmeinstellungen „neu“ erfinden. Schaut man sich nämlich aktuelle Filme, insbesondere auch bekannte Hollywood-produktionen aufmerksam an, so erkennt man, dass oftmals Blickwinkel und Einstellungen von den „alten“ Filmhasen übernommen wurden.
Die Tiroler Gemeinde St. Anton am Arlberg, in der viele der berühmtesten Bergfilme gedreht wurden, erinnert an die Filmpioniere mit einem jährlichen Filmfestival. Auf diesem werden dem Publikum sowohl historische als auch moderne Bergfilme gezeigt.
Tirol entwickelt sich bei Regisseuren und Schauspielern immer mehr zum beliebten Drehort . Vor der Kamera agieren Schauspieler wie Heidemarie Hatheyer, Theo Lingen, Marika Rökk, Rene Deltgen, Johannes Heesters, Attila Hörbiger oder Zarah Leander. Und viele der damals gedrehten Filme, wie bspw. "Die Geierwally", "Konzert in Tirol", "Im Schatten des Berges" oder "Die Frau meiner Träume" sind auch heute noch gut bekannt.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieg beginnen die Filmschaffenden auch in Tirol mit neuer Kraft zu arbeiten. 1946/47 verfilmt Leopold Hainisch den von Luis Trenker produzierten Streifen „Erde“ mit Eduard Köck und Anna Exl in den Hauptrollen. Es ist die Neuverfilmung des bereits erstmals 1920 gedrehten Films nach dem Roman von Karl Schönherr. Im darauf folgenden Jahr werden in Tirol bereits sieben Spielfilme gedreht, darunter „Hexen“, „Arlberg-Express“ und „Gipfelkreuz“. Auch als Folge der Kriegstragödie dominiert bis gegen Ende der 50er Jahre die Produktion von Heimatfilmen.
„Die schöne Tölzerin“, „Der Förster vom Silberwald“ oder „Die Försterliesl“, um nur einige Filme dieses Genres zu nennen, sie alle finden in der grandiosen Naturkulisse Tirols ihren perfekten Drehort. Ebenso der erste „Sissi“ - Film mit der 17jährigen Romy Schneider in der Hauptrolle. Die Innsbrucker Nordkette mit dem Hafelekar ist Schauplatz der Dreharbeiten. Diese Filme mit dem Schauplatz „Naturkulisse Tirol“ bewirken einen bemerkenswerten touristischen und damit auch wirtschaftlichen Aufschwung des Landes. Unterstützt wird dieser Effekt auch durch den Bezug auf Tirol in den Filmtiteln.
Als Beispiele seien genannt: „Die Zwillinge vom Zillertal“, „Das Schloss in Tirol“, „Mein Schatz ist aus Tirol“, „So liebt und küsst man in Tirol“ oder „Die Singenden Engel von Tirol“. Der letztgenannte Film erzählt die Geschichte der Musikantenfamilie Engel aus Reutte. Der Kinderstar Christine Kaufmann spielt darin neben Hans Söhnker die Hauptrolle. Die Idee zu diesem Film stammt vom heute nur noch Insidern bekannten Innsbrucker Filmemacher und Produzent Alfred Benesch.
Fotocollage: Helma Türk
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Hinweis: Um Missverständnissen vorzubeugen möchte ich darauf hinweisen, dass viele Filmproduktionen selbstverständlich nicht ausschließlich in Tirol gedreht wurden!
Wenn ich davon spreche dass ein Film in Tirol gedreht wurde, so handelt es sich dabei in den meisten Fällen um die Außenaufnahmen. Studioaufnahmen entstanden in der Regel an anderen Orten.